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Reynaud Syndrom: Hintergründe & Abhilfe gegen Morbus Raynaud

Nur ein kurzer Gang zum Bäcker und schon ist es passiert: Kalte Hände, die Finger verfärben sich weiß und verlieren jegliches Gefühl. In der kalten Jahreszeit kämpfen vor allem Frauen mit den oben geschilderten Problemen. In der Medizin spricht man vom Raynaud-Syndrom. Unter dem Begriff versteht man Durchblutungsstörungen, welche anfallsartig beim Kontakt mit Kälte auftreten.

Die Krankheit ist weit verbreitet und wird auch als Weißfingerkrankheit bezeichnet. In diesem Beitrag stellen wir Hintergründe und Tipps zur Abhilfe vor.

Reynaud Syndrom

Was ist das Raynaud Syndrom?

Im Volksmund ist das Raynaud Syndrom auch als „Leichenfinger“ oder „Weißfingerkrankheit“ bekannt. Dass sich unsere Gefäße bei Kälte zusammenziehen, ist ein normaler Prozess. Beim Raynaud-Syndrom, auch Morbus Raynaud genannt, ist die Verengung der Gefäße jedoch so stark, dass gar kein Blut mehr fließt. Erwärmen sich die Gefäße, kehrt das Blut wieder in die Adern zurück, es kommt zur Rötung. In extremen Fällen kann es auch zu Schmerzen in den Extremitäten kommen.

Ursachen und Symptome des Raynauds-Syndroms sind bis jetzt noch nicht ganz geklärt. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um eine harmlose, wenn auch unangenehme Erscheinung.

  • Sind die Ursachen für das Syndrom nicht bekannt, spricht man vom primären Raynaud-Syndrom.
  • In einigen Fällen kann es auch sein, dass das Raynaud-Syndrom als Begleiterscheinung einer anderen, schon bestehenden Erkrankung auftritt. Mediziner sprechen dann von einem sekundären Morbus Raynaud.

Besonders Frauen betroffen

In Europa leiden etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung an Morbus Raynaud. Auffallend ist, dass Frauen fünfmal so häufig betroffen sind wie Männer.

  • Das primäre Raynaud-Syndrom tritt fast ausschließlich immer bei jungen Frauen zwischen Pubertät und Menopause auf. Kinder sind in der Regel nicht betroffen. Das sekundäre Raynaud-Syndrom macht sich hingegen erst im fortgeschrittenen Alter bemerkbar.
  • Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass auch das Klima einen wichtigen Einfluss auf die Entstehung von Morbus Raynaud hat. So leidet in Schweden jeder Fünfte am Raynaud-Syndrom, wohingegen in Italien nur jeder Fünfzigste davon betroffen ist.

Symptome der Krankheit

Am häufigsten macht sich der Morbus Raynaud in den Fingern bemerkbar. Dabei sind es meistens Zeige-, Ring- und Mittelfinger, sowie der kleine Finger, die betroffen sind. Die Daumen hingegen bleiben oftmals symptomfrei. In manchen Fällen zeigt sich der Morbus Raynaud auch durch kalte Füße, insbesondere in den Fußzehen.

Die Symptomatik lässt sich in der Regel in drei Phasen einteilen.

  1. Zuerst erblassen die Finger bzw. Zehenspitzen.
  2. Durch die mangelnde Durchblutung verfärben sich die Extremitäten blau.
  3. Im Anschluss kommt es zum Erröten der betroffenen Stelle.

Diese dreier Symptomatik wird auch Trikolore-Phänomen genannt, in Anlehnung an die Farben der französischen Flagge.

Begleitet werden die oben aufgeführten Symptome zusätzlich von Taubheitsgefühlen, Missempfindungen und mangelnder Feinmotorik. In extremen Fällen ist die Rotfärbung auch von Schmerzen begleitet. Die Durchblutungsstörungen beim Morbus Raynaud treten schubweise auf. Meistens werden sie durch Kälte ausgelöst.

In der Regel dauert ein Anfall einige Minuten, manchmal auch bis zu einer halben Stunde. Nur sehr selten hält ein Morbus Raynaud-Schub länger an.

In den meisten Fällen ist das Raynaud-Syndrom harmlos. Es kann jedoch vorkommen, dass die Verkrampfungen über einen längeren Zeitraum bestehen, wodurch es zu Schädigungen an den Gefäßen kommen kann. Dies kommt aber in der Regel nur beim sekundären Raynaud-Syndrom vor.

Morbus Raynaud in der Stillzeit

In seltenen Fällen können auch die Brustwarzen vom Raynaud-Syndrom betroffen sein. Hierbei färben sich die Brustwarzen während des Stillens weiß. Manche Frauen haben dabei so große Schmerzen, dass sie ihren Kindern nicht weiter die Brust geben können.

Erste Studien mit betroffenen Patientinnen haben jedoch ergeben, dass sich die Symptome leicht durch Wärmebehandlung verbessern lassen. Auch Medikamente können weiterhelfen. Bei fast allen Frauen konnten die Beschwerden so weit gelindert werden, dass sie ihre Kinder wieder stillen konnten. Sollten Sie unter solchen Beschwerden leiden sollten Sie Ihren Hausarzt konsultieren und Rat einholen.

Ursachen des Raynaud-Syndrom

Die physiologische Ursache für das Raynaud-Syndrom liegt in einem Ungleichgewicht der gefäßerweiternden und gefäßverengenden Faktoren. Warum es zu diesem Ungleichgewicht kommt, ist noch nicht gänzlich geklärt. Wahrscheinlich ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

  • Da das Raynaud-Syndrom vor allem bei jungen Frauen von der Pubertät bis zur Menopause auftritt, vermutet man, dass das Raynaud-Syndrom hormonell bedingt ist.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor scheint das Klima zu sein. So tritt der Morbus Raynaud fünfzig Mal häufiger in Skandinavien auf als in mediterranen Ländern. Dies spricht dafür, dass Kälte eine entscheidende Komponente für das Auftreten von Morbus Raynaud ist.
  • Wissenschaftler vermuten zudem, dass auch psychische Belastung ein determinierender Faktor ist. So berichten viele Patienten, die von Morbus Raynaud betroffen sind, über psychischen oder emotionalen Stress. Bessert sich der psychische Zustand der Betroffenen, so bessert sich auch häufig die Raynaud-Symptomatik.
  • Schließlich sind auch genetische Komponenten nicht ausgeschlossen. Man geht also davon aus, dass die Veranlagung zum Raynaud-Syndrom in der Familie weitergegeben werden kann.

Diagnose

Haben Sie den Verdacht, dass auch Sie unter Morbus Raynaud leiden könnten, so sollte die erste Anlaufstelle ihr Hausarzt sein.

  • Dieser kann Sie dann bei Bedarf an einen zuständigen Spezialisten, in der Regel einen Rheumatologen, weiterleiten. Oftmals reicht zur Diagnose schon, wenn Sie ihre Symptome ausführlich schildern. Ist sich der Arzt dann noch unsicher, wird er Sie noch einmal gezielt bezüglich Ihrer Problematik befragen. Solche Fragen können die Häufigkeit, Dauer, sowie Ihren persönlichen Leidensdruck betreffen.
  • Sollte sich der Verdacht in Richtung Morbus Raynaud erhärten, kann der Arzt dies mittels spezifischer Tests endgültig feststellen.
  • Besteht zudem die Möglichkeit, dass bei Ihnen das sekundäre Raynaud-Syndrom vorliegen könnte, wird er eine Blutuntersuchung bei Ihnen vornehmen.

Behandlungsmethoden & Heilung

Die Behandlungsmethoden und Heilungschancen unterscheiden sich drastisch, je nachdem, ob das primäre oder das sekundäre Raynaud-Syndrom vorliegt.

Da die Ursache für das primäre Raynaud-Syndrom noch nicht gänzlich geklärt ist, lassen sich hier bisher nur die Symptome behandeln. In fast allen Fällen wird nicht-invasiv behandelt. Oftmals reichen einfache psychologische Maßnahmen aus, um die Symptome deutlich zu lindern.

Anders sieht die Behandlung beim sekundären Raynaud-Syndrom aus. Hier gilt es, die eigentliche Erkrankung zu behandeln. Weiß man einmal, wodurch das sekundäre Syndrom ausgelöst wird, bessern sich auch meistens automatisch dessen Symptome. Eine Absprache und Behandlung durch einen Facharzt ist hier unumgänglich.

Explizite Maßnahmen, wie man das Raynaud Syndrom vorbeuge kann, sind leider noch nicht bekannt. Hierzu müssen die Ursachen und Risikofaktoren des Syndroms noch weiter erforscht werden. Es gibt jedoch eine Reihe allgemeiner Schutzfaktoren. Hierzu zählen beispielweise eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, sowie ein intaktes soziales Netzwerk. Da es sich beim Morbus Raynaud um eine Durchblutungsstörung handelt, sollte auf Rauchen verzichtet werden.

Schutz & Abhilfe bei Raynaud Syndrom

Wie oben schon erwähnt, reichen in den meisten Fällen psychologische Maßnahmen zur Besserung des Raynaud-Syndroms aus. Im Folgenden finden Sie ein paar einfache, schnell umsetzbare Tipps, die das Leben mit dem Raynaud-Syndrom deutlich verbessern.

Kälte meiden

Der Tipp mag banal klingen, hat aber die größte Wirksamkeit. Da vor allem die Hände anfällig für das Raynaud-Syndrom sind, sollten Betroffenen in den kühleren Jahreszeiten nie ohne Handschuhe aus dem Haus gehen. Am besten eignen sich Fäustlinge, da diese die Wärme am Effizientesten speichern. Auch sollten die Handschuhe nicht erst bei Minustemperaturen zum Einsatz kommen. Da Betroffene sehr empfindlich auf Kälte reagieren, sollten sie schon ab den ersten Temperaturstürzen zu Handschuhen greifen.

Beheizbare Produkte

Da man beim primären Raynaud-Syndrom nur die Symptome behandeln kann, eignen sich auch beheizbare Produkte als Abhilfe gegen die Beschwerden. Auch hier gibt es eine breite Auswahl. Von beheizbaren Handschuhen und Handwärmer für die Hände, findet man auch Einlegesohlen für die Füße. Diese Wärmeprodukte funktionieren oftmals über Akkus und halten so über einen längeren Zeitraum warm. Gerade für Betroffene, denen Handschuhe alleine nicht warm genug sind, können solche Produkte eine sinnvolle Anschaffung sein.

Verzicht auf Zigaretten

Schon alleine ein Zug an einer Zigarette hat eine schlechtere Durchblutung der Gefäße zu Folge. Daher sollten Menschen, die unter dem Raynaud-Syndrom leiden, sich an ein striktes Rauchverbot halten. Noch größere Vorsicht ist geboten, wenn zudem noch gefäßverengende Medikamente eingenommen werden. Hierzu zählen zum Beispiel Beta-Blocker, einige Migräne-Mittel, aber auch die Anti-Baby-Pille. Sollten Sie unter dem Morbus Raynaud leiden, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt über die von Ihnen eingenommenen Medikamente informieren. So kann er mögliche Wechselwirkungen vorbeugen oder Sie auf andere Medikamente einstellen.

Entspannung

Sind die Symptome des Morbus Raynauds stressbedingt, können Entspannungstrainings wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training Abhilfe schaffen. Auch Yoga oder Meditation könnten eine Möglichkeit sein, den Stress besser zu bewältigen. Als ebenfalls sehr effektive Methode hat sich Sport bewiesen. Für Morbus Raynaud-Betroffene hat Sport gleich eine zweifach positive Wirkung. So wird durch Sport nicht nur Stress abgebaut, sondern die Bewegung fördert auch die Durchblutung. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Ihre Hände und Finger geschont werden. Empfehlenswert sind beispielsweise Tanzen, Schwimmen oder Laufen. Sportarten, welche die Hände intensiv fordern, wie Volleyball oder Handball, sollten hingegen möglichst vermieden werden.

Ernährung

Die Ernährung zu hinterfragen ist generell bei allen Beschwerden sinnvoll. Auch beim Raynaud-Syndrom kann es hilfreich sein, auf eine bewusste und gesunde Ernährung zu achten. Ins Besondere sollten Sie darauf achten, dass Sie ausreichend Vitamin B, C und E zu sich nehmen. Diese finden Sie zum Beispiel in grünem Blattgemüse, Haferflocken und Nüssen. Auch Folsäure, die beispielsweise viel in Leber, Avocado und Bohnen enthalten ist, kann helfen, Ihre Beschwerden zu lindern.

Medikamente

Die Wirksamkeit von Medikamenten bei Morbus Raynaud ist noch nicht wissenschaftlich belegt. Daher wird beim Raynaud-Syndrom in nur sehr schwerwiegenden Fällen medikamentös vorgegangen. Einige Wirkstoffe, die eingesetzt werden können, sind beispielsweise Blutverdünner, ACE-Hemmer oder auch Calciumantagonisten. Alle Medikamente sind verschreibungspflichtig. Sollte eine medikamentöse Behandlung bei Ihnen angebracht sein, wird Ihr Arzt Sie darauf ansprechen.

Fazit

Das Raynaud-Syndrom betrifft in den meisten Fällen junge Frauen zwischen zwanzig und fünfzig. In der Regel handelt es sich hierbei um eine harmlose, wenn auch für die Betroffenen unangenehme Erkrankung der Blutgefäße. Die Symptome lassen sich jedoch meistens durch einfache psychologische Maßnahmen gut behandeln. In seltenen Fällen kann das Raynaud-Syndrom allerdings auch ein Anzeichen einer schwerwiegenden Krankheit sein. Sollten Sie Anzeichen des Raynaud-Syndroms bei sich entdecken, ist eine Abklärung durch Ihren Hausarzt daher immer sinnvoll.

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